Rückrufkosten – ein brisantes Thema

Nicht erst seit Bekanntwerden des Diesel-Skandals sind Produktrückrufe ein Thema, das in jedem Betrieb hohe Aufmerksamkeit des Managements erfordert. Dabei geht es nicht nur um immens hohe Kosten, sondern auch um einen möglichen Imageverlust des Unternehmens. Besonders im Lebensmittelbereich sind Aufsichtsbehörden sehr sensibel, wenn es gilt, Gesundheitsgefahren für Verbraucher abzuwenden. Glas- oder Metallsplitter in Konserven, Salmonellen oder andere Krankheitserreger in Fleischwaren – solche Produkte müssen aus dem Regal verschwinden, bevor jemand zu Schaden kommt.

Das Risiko eines Produktrückrufs müssen Unternehmer nicht selbst tragen. Die Betriebshaftpflichtversicherung und die Produkthaftpflichtversicherung decken Personen- und Sachschäden durch fehlerhafte Produkte, sie beziehen sich aber nicht auf Vermögensschäden, die durch Schadenverhütungskosten wegen Produktrückrufen entstehen. Hierfür gibt es vier Versicherungslösungen, die sich sinnvoll ergänzen:

1. Mit der Rückrufkosten-Haftpflichtversicherung reagierten die Versicherer auf das zum 1. August 1997 (Neufassung zum 1. Dezember 2011) in Kraft getretene Produktsicherheitsgesetz (ProdSG). Der Versicherungsschutz bezieht sich auf Fremdrückrufe, zum Beispiel durch Behörden, aber auch auf Eigenrückrufe. Versichert sind Kosten der Benachrichtigung von Endverbrauchern, Händlern und Werkstätten, für Sortierung bzw. Trennung betroffener und nicht betroffener Chargen, Rückführungskosten und Überprüfungskosten rückgeführter Produkte, Kosten für die Lieferung mangelfreier Produkte sowie für die Beseitigung oder Vernichtung der fehlerhaften Ware.

2. Während die Rückrufkosten-Haftpflichtversicherung an die gesetzliche Produkthaftung anknüpft, ersetzt die Bilanzschutzversicherung Eigenschäden des Versicherungsnehmers. Das sind die entgangenen Verkaufserlöse, die Selbstkosten für Produkte, die wegen des Rückrufs nicht mehr veräußerbar sind, sowie Ertragsausfälle durch Umsatzrückgang während einer Haftzeit von in der Regel zwölf Monaten. Außerdem werden die Kosten für Schadenminderungsmaßnahmen wie zusätzliche Werbung erstattet.

3. Die Produktschutzversicherung erweitert die Bilanzschutzversicherung um Rückrufkosten nach Produktmanipulationen Dritter, also außerhalb des Verantwortungsbereichs des Versicherten, zum Beispiel wenn Lebensmittel vorsätzlich kontaminiert werden.

4. Versicherungsschutz für Geldforderungen in Verbindung mit einer Produkterpressung besteht nur im Rahmen einer Produkterpressungsversicherung. Diese Zusatzdeckung wird von der Versicherungsaufsicht nur unter strengen Auflagen zugelassen, wie sie auch für Lösegeldversicherungen gelten. Das Bestehen einer solchen Versicherung wird geheim gehalten, um potenzielle Täter nicht zu einer Straftat zu ermutigen.

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