Günstige Versicherungen durch Sport und Fitness

Rabatt gegen Daten – mit dieser einfachen Formel lassen sich Angebote der Lebensversicherer zusammenfassen, die einen gesundheitsbewussten Lebensstil ihrer Kunden mit Beitragsvorteilen honorieren. Die Hannoversche Leben schenkte im vergangenen Jahr Neukunden ein Fitness-Armband, die Generali Deutschland Gruppe startete 2016 ihr Konzept „Vitality“, das bereits zwei Jahre zuvor auf ein geteiltes Echo in Presse und Öffentlichkeit stieß.

Seit dem 21. Dezember 2012 ist die tarifliche Differenzierung nach Geschlechtern im Neugeschäft der Versicherer unzulässig. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Aufgrund des Diskriminierungsverbots sind sogenannte Unisex-Tarife vorgeschrieben. Den Versicherern fehlt damit ein wesentliches Tarifierungsmerkmal. In der Risiko-Lebensversicherung subventionieren Frauen mit längerer Lebenserwartung die Männer, die statistisch gesehen früher sterben. In der Rentenversicherung ist es dagegen genau umgekehrt.

Für andere Risikomerkmale gilt das Benachteiligungsverbot dagegen nicht. Nichtraucher-Tarife sind deshalb bei den Risiko-Lebensversicherungen auch weiterhin weit verbreitet. Weitere Gesundheitsdaten werden mit der Antragstellung abgefragt und fließen in die Annahmeentscheidung oder die Beitragskalkulation ein. Die Nutzung weiterer Daten, die auch mobil per App erhoben werden, ist naheliegend und zum Beispiel in der Kraftfahrtversicherung bereits gang und gäbe – viele Unternehmen bieten einen Telematik-Tarif an und gewähren Rabatte für sicheres Fahren. Geht es dagegen um Gesundheitsdaten, stoßen Belohnungssysteme wie das Vitality-Programm der Generali auf Skepsis. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov Ende 2014 würden 32 % der Deutschen Gesundheits- und Fitnessdaten an ihren Versicherer weiterleiten, wenn sie dafür Vergünstigungen erhielten. 39 % würden ihrem Versicherer diese Informationen dagegen nicht anvertrauen.

Der zur Generali-Gruppe gehörende südafrikanische Versicherer Discovery, von dem Vitality nach Europa übernommen wurde, hat mit dem Konzept großen Erfolg. Allerdings sind die Marktgegebenheiten nicht vergleichbar. Ob die Generali auch in Deutschland erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. In einem Land, in dem 65 % aller Smartphone-Nutzer bei Facebook aktiv sind, herrscht Misstrauen gegenüber einer Branche, die sehr strengen Datenschutz-Regeln unterworfen ist und sich in dieser Hinsicht keinen Skandal erlauben kann.

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